Das Hohe Haus

 

wohnform befindet sich im über 700 Jahre alten "Hohen Haus" in Konstanz. In altem Gemäuer wird modernes Design liebevoll und bis ins Detail perfekt inszeniert. Ein einzigartiges Ambiente, nicht nur für Konstanz.

Aber warum heißt das Haus eigentlich „Hohes Haus“, und was macht es so besonders?

Mit seinen sechs Stockwerken ist das Hohe Haus eines der höchsten profanen Bauwerke im mittelalterlichen Süddeutschland. Die Errichtung eines so hohen Gebäudes ganz aus Stein war bei der Erbauung im Jahr 1294 eine Demonstration von Macht und Reichtum. Der Begriff „steinreich“ stammt übrigens aus dieser Zeit.

Erbauer des Hauses waren zwei der wichtigsten Männer der freien Reichsstadt Konstanz: Albrecht von Klingenberg, der damalige Vogt von Konstanz, und sein Bruder Heinrich von Klingenberg, Bischof von Konstanz. Die Klingenberger waren eine der mächtigsten Adelsfamilien der Stadt und hatten ihren Stammsitz auf der Burg Klingenberg im benachbarten Thurgau.

Kleine Anekdote am Rande: Anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 700jährigen Bestehen des Hohen Hauses im Jahre 1994 fand der damalige Stadtarchivar Helmut Maurer heraus, dass sowohl das Baujahr als auch die Bauherrschaft auf den Übertragungsfehler eines Chronisten (J.F. Speth, 1733)) zurückzuführen sind. Laut der ursprünglichen Quelle (Ch. Schulthaiß, 1576) war nämlich Vogt Albrecht von Klingenberg der alleinige Erbauer, und die Erbauung fand erst ein Jahr später, nämlich im Jahr 1295, statt.

Das Hohe Haus wechselte während des nächsten Jahrhunderts mehrmals die Besitzer. Diese waren jedoch wie die Klingenberger bedeutende Familien aus dem Konstanzer Stadtadel, dem Patriziat oder der Geistlichkeit. Sie stammten alle aus dem Thurgau, wo sie ihre Schlösser hatten, und benutzten das Hohe Haus als Stadtresidenz.

Es gab nicht nur die bedeutenden Hausbesitzer, sondern noch andere, illustre Bewohner des Hauses. Im Jahr 1325 soll ein Weinschenk namens Compo im Erdgeschoss des Hohen Hauses Reichenauer Wein ausgeschenkt haben: ein Viertel neuen Reichenauer für zehn und ein Viertel alten Reichenauer für vier Pfennig.

Eine besondere Bedeutung erlangte das Hohe Haus während des Konstanzer Konzils. Besitzer war seit 1389 die Familie von Tettikoven, die ursprünglich aus dem thurgauischen Pfyn stammte. Während des Konstanzer Konzils 1414 bis 1418 musste die Stadt mit ihren 6000 Einwohnern rund 70.000 Besucher unterbringen. Die Teilnehmer des Konzils mit ihren Entouragen wurden entsprechend ihres Standes auf die Stadt verteilt. Im Hohen Haus bei Familie von Tettikoven residierte Friedrich Hohenzollern, Burggraf von Nürnberg, der mit einem Gefolge von 400 Berittenen in die Stadt eingezogen sein soll. Der Burggraf war ein treuer Gefolgsmann von König Sigismund und wurde von diesem zum Dank für seine Dienste im Jahr 1417 mit der Markgrafschaft Brandenburg belehnt. Chronist Ulrich Richenthal beschreibt, wie Friedrich von Nürnberg vor dem Hohen Haus mit Pauken und Fanfaren abgeholt und in einem langen Zug durch Konstanz zum Obermarkt geleitet wurde, wo König Sigismund die Belehnung vollzog. Kurze Zeit später verheiratete der Burggraf seine 16jährige Tochter Elisabeth mit dem 32jährigen Herzog von Liegnitz und Brieg. Die prachtvolle Fürstenhochzeit wurde in Anwesenheit von König Sigismund im Hohen Haus gefeiert.

Während des Konzils stand die Stadt Konstanz buchstäblich im Zentrum der europäischen Geschichte und erlebte ihre glanzvollste Zeit. In den kommenden beiden Jahrhunderten jedoch veränderten sich die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse immer mehr zuungunsten von Konstanz. Im Schwaben- oder Schweizerkrieg im Jahre 1499 verlor Konstanz den Thurgau als natürliches Hinterland. 1548 schließlich verlor Konstanz die Reichsfreiheit und wurde zur vorderösterreichischen Landstadt.

Auch das Hohe Haus hatte an Bedeutung verloren. Mit seiner gotischen Architektur galt es im 16. Jahrhundert als „altmodisch“ und genügte den Ansprüchen an einen Herrschaftssitz nicht mehr. Es ging in kirchlichen Besitz über und diente in den nächsten Jahrhunderten als Amtshaus verschiedener geistlicher Gesellschaften.

Im Jahr 1830 ging das Haus erstmals nach vier Jahrhunderten wieder in weltlichen Besitz über. Der Kaufmann Lorenz Volderauer erwarb das Hohe Haus für 1240 Gulden vom Domstift. 1863 wurde es von einem Metzger für 6300 Gulden gekauft. Dessen Schwiegersohn Konrad Riegger eröffnete 1878 im ersten Obergeschoss den „Gasthof zum Hohen Haus“, der bis 1918 ein beliebtes Lokal in Konstanz blieb. Im 19. Jahrhundert wurden mehrere Umbaumaßnahmen durchgeführt, die jedoch nicht sehr pfleglich mit der mittelalterlichen Bausubstanz umgingen.

1918 erwarb das Konstanzer Lehrlingsheim das Hohe Haus, um auswärtigen Lehrlingen eine preiswerte Unterkunft zu bieten. Im Erdgeschoss wechselten die unterschiedlichsten Branchen, ab 1934 betrieb Lorenz Hofele hier ein Möbel- und Polstergeschäft.

Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte man die Geschichtsträchtigkeit des Hauses wieder. Es entstanden Entwürfe für eine „historisierende“ Neugestaltung, die in einer Ausstellung im Konzil der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Der leere Stadtsäckel und der Ausbruch des ersten Weltkrieges setzten diesen Verschönerungsplänen jedoch ein vorläufiges Ende. Erst als in den dreißiger Jahren die Fassade des Hauses restauriert werden sollte, erinnerte man sich an die Freskenentwürfe von 1909. Dem Kunstmaler August Brandes wurde der Auftrag erteilt, der mit Geldern von Stadt und Land finanziert wurde. Brandes brachte die Fresken an, die heute noch sichtbar sind: Auf der Giebelseite malte er das Treiben auf dem ehemaligen Fischmarkt sowie zwei Reiterstandbilder (die heute nicht mehr erhalten sind); für die Seitenfassade wählte er den festlichen Zug der Fürstenhochzeit von 1417 als Motiv. Die Renovierung des alten Gebäudes und die historisierenden Fresken entsprachen der Ideologie der Nationalsozialisten, die „das überkommene Erbe der Väter treu … hüten und …. wahren“ wollten (Bodensee-Rundschau). Bei der Enthüllung der Fresken im Februar 1936 war entsprechend viel Politprominenz anwesend.

In der Zeit während und nach dem zweiten Weltkrieg verwahrlosten die Innenräume in den oberen Etagen zunehmend. 1956 verkaufte das Konstanzer Lehrlingsheim das Gebäude an die Familie Hofele, die bereits das Möbelgeschäft im Erdgeschoss betrieb. Die neuen Besitzer vermieteten die Räume im ersten Obergeschoss an mehrere Gewerbetreibende, in den oberen Etagen wohnten über 20 Mieter.

Die Nacht vom 21. auf den 22. November 1966 war eine Zäsur in der Geschichte des Hauses: Es brannte bis auf die Grundmauern ab. Die Ursache des Brandes konnte nie ganz geklärt werden. Sicher ist, dass er vom Treppenhaus ausging und dass sich das Feuer in rasender Geschwindigkeit nach oben ausbreitete. Als die Feuerwehr Minuten nach dem Alarm anrückte, stand schon der Dachstuhl in Flammen. Das Haus brannte wie eine Fackel. Da das Treppenhaus brannte, mussten die Bewohner von außen, über die Fenster und die benachbarten Dächer gerettet werden. Die Feuerwehr, die mit 84 Männern im Einsatz war, konzentrierte sich darauf und versuchte gleichzeitig, ein Ausbreiten des Brandes zu verhindern. Nur der Windstille in jener Nacht war es zu verdanken, dass das Feuer nicht auf die angrenzenden Gebäude übergriff. Nach zwei Stunden war der Brand unter Kontrolle. Erst Tage später bestätigte sich der Verdacht, dass ein Mensch ums Leben gekommen war: Die 27jährige Monika Ganahl hatte als einzige versucht, durchs Treppenhaus zu fliehen. Sie hatte keine Chance.

Nach dem Brand begann die Geschichte von wohnform im Hohen Haus. 1968 übernahm Klaus Robert Schmidt das völlig ausgebrannte Hohe Haus – mit Einwilligung der Stadt, die schon seit Jahren das Vorkaufsrecht besaß. Klaus Schmidt und seine Frau Rosmarie bauten die Brandruine nach Plänen von Architekt Ernst Greiner wieder auf. Im Erdgeschoss entstanden Arkaden, die alte hölzerne Treppe wurde durch eine elegante Wendeltreppe und einen Fahrstuhl ersetzt. Beim Einbau der Zentralheizung im Keller blickte man plötzlich auf die mittelalterlichen Fundamente: Sie ruhen auf schweren Eichenschwellen, die unter Luftabschluss im nassen Untergrund eisenhart geworden waren. Die Erhaltung der Fresken von August Brandes war damals nicht unumstritten. Sie wurden schließlich von Brandes‘ Sohn Berthold restauriert.

Auch seit dem Einzug von wohnform ins Hohe Haus im Sommer 1968 wurde das Gebäude immer wieder umgebaut. Der Eingang wurde mehrmals verändert und liegt seit 1988 in der Mitte der Fassade. 1990 zwang das inzwischen undicht gewordene Flachdach des Nebengebäudes zu einem größeren Umbau. Nach Plänen von Architekt Herbert Schaudt wurde es durch ein Satteldach ersetzt, was übrigens schon beim Wiederaufbau vorgesehen gewesen war. Schaudt schuf eine lichtdurchflutete Konstruktion aus Stahl und Glas, die sensibel mit dem alten Gemäuer umgeht, ohne ihre eigene Modernität zu verleugnen.

1994 feierte die Firma wohnform das 700jährige Bestehen des Hohen Hauses mit einer Reihe von Veranstaltungen und Ausstellungen.

Im Jahr 2000 gab es erneut einen Brand, der jedoch wesentlich glimpflicher ausging. Elektriker hatten versehentlich einen stillgelegten Frostwächter aktiviert. Der daraufhin entstehende Schwelbrand verursachte Totalschaden der gesamten Ausstellungsware. Innerhalb von acht Wochen wurde das gesamte Haus renoviert und die komplette Ausstellung ersetzt. Die letzte größere Renovierung war die energetische Sanierung des Daches durch Architekt Stefan Neubig im Jahr 2014.

Die jetzige Inhaberin Jeannine Schmidt, Geschäftsführerin von wohnform, versteht das Hohe Haus nicht nur als Geschäftsimmobilie, sondern auch als Verpflichtung gegenüber der historischen Bedeutung des Hauses. Das Hohe Haus öffnet sich nicht nur seinen Kunden, sondern auch Besuchern bei Vorträgen, Lesungen, Stadtführungen und anderen Veranstaltungen.

 

Das Hohe Haus, erbaut 1294
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